Encore: Alexandra Lehmler, Jörg Brinkmann & Apollonio Maiello
Dienstag, 22. Dezember 2026, Karlstorbahnhof
Amber Sky - Release Konzert
Was Musik überhaupt, insbesondere aber den Jazz auszeichnet, sind jene Momente der Überraschung und des Überraschtseins, die sich aus Konstellationen ergeben – neuen und verwegenen, zufälligen oder ersehnten. Diese situativen Zusammenkünfte beziehen sich nicht nur auf die Musikerinnen und Musiker, die sich da in einem Probenraum oder auf der Bühne, im Studio oder in einem Club begegnen und ihre individuellen Fertigkeiten miteinander in Verbindung setzen. Sondern da ist noch etwas anderes, was schwer zu greifen und noch schwerer zu beschreiben ist. Man könnte das in einem emphatischen Sinne magisch nennen. Denn die Ideen, Augenblickseingebungen, die Sympathien, die erst im Miteinander und aus den diversen zusammengeworfenen Erfahrungen entstehen, fangen plötzlich an zu kommunizieren. Eine Band, gerade in der improvisierenden Musik, ist unberechenbar. Ihre Dynamik ist nicht vorauszusehen, ihre Energie nicht zu erahnen.
Alexandra Lehmler hatte schon eine Weile lang davon geträumt, in einer bestimmten, klassisch anmutenden Besetzung zu spielen. Den Pianisten Apollonio Maiello kennt sie seit Ewigkeiten, seit fünfzehn Jahren haben sich ihre Wege immer wieder gekreuzt. Er sprang in verschiedenen ihrer Bands ein, war Teil einiger herausgehobener Projekte – etwa dem Green Dolphin Orchestra.
Im Falle des Cellisten Jörg Brinkmann verhielt es sich ein wenig anders. Sie sei, erzählt Lehmler, fasziniert gewesen von seinen Trio-Arbeiten, etwa mit Claudio Puntin und Johannes Fink oder Roman und Julian Wasserfuhr – „eine einprägsame Erfahrung“. Es dauerte dann allerdings eine Weile, bis sich eine Gelegenheit ergab, mit ihm zu arbeiten. Die tat sich im letzten Jahr durch Enjoy Jazz auf, das Lehmlers Wunschkollaboration mit Maiello und Brinkmann Realität werden ließ. „Vorab haben wir die Chance einer Residency in der Abbaye de Neumünster in Luxemburg erhalten. Die hat die Tiefe des Programms erst möglich gemacht. Denn wir konnten dort eine Woche lang intensiv mehr oder weniger Tag und Nacht an den Stücken und dem Zusammenspiel arbeiten. Das war etwas sehr Besonderes, von dem wir sehr profitiert haben.“
Wer das Trio letztes Jahr in der Alten Feuerwache in Mannheim erlebt hat, weiß, wovon die Rede ist. Wer nicht dabei war, muss sich nicht grämen. Vielleicht weil Alexandra Lehmler ahnte, dass an diesem Abend etwas Außergewöhnliches passieren könnte, hatte sie dem Toningenieur vor dem Konzert eine Festplatte in die Hand gedrückt, damit der den Auftritt mitschneiden konnte. Ein Glücksfall! Jetzt, ein Jahr später, wird diese Live-Aufnahme unter dem Titel „Amber Sky“ auf dem festivaleigenen Label Enjoy Jazz Records veröffentlicht.
Was sich beim ersten Hören gleich vermittelt: eine Vertrautheit und Innigkeit, Wärme und Sensibilität, die aus dieser Konstellation erwächst. Die Kompositionen atmen paradoxerweise den Geist der Stille, was aber ein bisschen über die Bewegung und die Lebhaftigkeit unter der Oberfläche hinwegtäuscht: Da lauern komplexe musikalische Strukturen und tiefreichende emotionale Schichten kommen zum Vorschein. Mag auch ein melancholisches Grundgefühl in diesen gleichberechtigt erarbeiteten Stücken vorherrschen – es wird immer wieder von melodischer Leichtigkeit konterkariert. Wie Alt- und Sopransaxophon, Klavier und Cello sich umgarnen und ergänzen, wie Motive von den drei Charakteren jeweils eigenwillig und doch vereint fortgesponnen werden, und wie die Akteure die Kompositionen, so anmutig und präzise sie sind, in ein improvisatorisches Brodeln überführen, das ist höchst beeindruckend. Und berührend. Manchmal entwickeln sich die Stücke behutsam; dann tun sich kleine Zwischenräume auf, in denen etwas Unerwartetes entstehen kann. Lehmlers erzählerisch-schwebende Linien, das harmonisch vielgestaltige Spiel Maiellos, das facettenreiche Cello Brinkmanns – immer hat man das Gefühl, hier keine Note versäumen zu wollen und zu dürfen.
Ja, es hat lange gedauert, bis dieses Trio zusammengefunden hat. „Aber manche Dinge brauchen etwas Zeit“, sagt Alexandra Lehmler, „wie ein guter Wein. So fühlt sich auch unsere Musik an.“ Sie besitzt tatsächlich eine große Reife. „Und sie strahlt für mich sehr viel Ruhe aus. Die letzten Jahre waren besondere Jahre, in denen viel passiert ist und die viel mit mir gemacht haben.“ Will heißen: Sie haben auch etwas mit Alexandra Lehmlers Musik gemacht

Auf einen Blick
Beginn: Dienstag, 22. Dezember 2026, 20:00
Einlass: 19:00
Ort: Karlstorbahnhof, Marlene-Dietrich Platz 3, Heidelberg, Baden-Württemberg, 69126, Deutschland
Bestuhlung: bestuhlt
Tickets: 27,40 €
Abendkasse: 30 €
Weitere Enjoy Jazz Veranstaltungen
Kostenfreier Eintritt mit dem Festivalpass!
