Chris Thile

1. November 2022, dasHaus

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Chris Thile

Früh übt sich, wer einmal ein fingerfertiger Großer werden will: Chris Thile hat mit fünf Jahren der Mandoline erste zarte Töne entlockt; mit acht entstand die Band Nickle Creek als ambitioniertes Familienprojekt, mit 13 nahm er sein erstes Soloalbum auf, und es gab in den folgenden Jahren verschiedenste Kollaborationen, die sich zwischen Bluegrass-, Roots-Musik und Folk bewegten, zwischen Charlie Parker- und Bach-Interpretationen. 2006 gründete der damals 25-Jährige die Band Punch Brothers, weitere Solo-, Duo und Trio-Arbeiten schlossen sich an, unter anderem mit Brad Mehldau (mit ihm war er übrigens 2014 bei Enjoy Jazz, mit den Punch Brothers dann 2018). Über einen Mangel an Auszeichnungen kann sich Thile ebenfalls nicht beschweren – so stehen in seinem Regal mehrere Grammys, und 2012 bekam er das hochdotierte MacArthur-Stipendium, das nicht umsonst als „Genius Grant“ bezeichnet wird. Diese Vita würde einem 80-Jährigen zur Ehre gereichen, aber Thile ist erst halb so alt und dürfte noch ziemlich viel vor sich haben. Mit seinem letzten Solo-Album „Laysongs“, entstanden im letzten Jahr während der entschleunigten Corona-Zeit, hat er einen neuen Weg eingeschlagen. Der führt diesmal eher nach innen und in die Vergangenheit. „Laysongs“ setzt sich auf neun meisterlich miteinander verflochtenen, unvorhersehbaren Stücken mit der Religiosität seiner Kindheit, deren Verlust und einer dennoch in Thiles Leben latent weiterwirkenden Spiritualität auseinander. Aufgenommen wurden die Stücke in Upstate New York in einer zum Studio umgebauten Kirche, die keinen geringen Einfluss auf die Stimmung dieser Platte gehabt hat – ebenso wie seine Frau, die Schauspielerin Claire Coffee, die als Co-Produzentin entscheidend den Klangcharakter des Werks mitbestimmte. Das Genre, in dem Thile sich auf „Laysongs“ bewegt, lässt sich schwer beschreiben. Avantgardistischer Folk und Musik der klassischen Moderne, freischwebende Melodien und komplexe Rhythmen finden hier zusammen; Originalkompositionen werden spielerisch mit fremdem Material verknüpft. So interpretiert Thile Béla Bartóks „Solosonate für Violine“, Buffy Sainte-Maries Adaption eines Leonard-Cohen-Gedichts, und er präsentiert eine Coverversion von „Won’t You Come and Sing for Me“ von Hazel Dickens sowie ein Instrumental, das auf Motive aus Johann Sebastian Bachs Partita für Solo-Violine in E-Dur zurückgreift. Mandoline und Stimme – mehr braucht es nicht, um eine göttliche Magie zu erzeugen. Die kann entstehen, selbst wenn man nicht an Gott glaubt.

 

Beginn: 1. November 2022, 20:00

Einlass: 19:00

Ort: dasHaus, Bahnhofsstraße 30, Ludwigshafen, 67059, Deutschland

Bestuhlung: bestuhlt

Tickets: ab 35,10 EUR

Abendkasse:

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Besetzung

Chris Thile : mand, voc

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