Unser „artist in residence“ Ashley Kahn ist vieles: Buchautor, Produzent, Journalist, aber auch Tourmanager von Cassandra Wilson, Paul Simon oder Britney Spears. Vor allem aber ist er einer der bedeutendsten amerikanischen Musikpublizisten.
Für seine Liner Notes erhielt er zwei Grammys, zuletzt 2026 für „Miles ‘55: The Prestige Recordings“. Seine kongenialen, auch auf Deutsch erhältlichen Monografien über die wirkungsgeschichtlich wichtigsten Jazz-Platten, „Kind of Blue“ und „A Love Supreme“, sind Standardwerke. Denn: „Kahns Texte sind ebenso ausdrucksstark wie Coltranes Saxofon und ebenso tiefgründig“ (Jazz Times).
Mister Kahn, was war die erste Schallplatte, die Sie sich gekauft haben?
Das war keine Platte, sondern eine 8-Spur-Kassette: das rote und das blaue Album der Beatles.
Welche drei jungen Jazzmusiker:innen sollte man im Blick behalten?
Momentan bevorzuge ich drei Gitarristen: Emmanuel Michael, Gilad Hekselman und Isaiah Sharkey.
Miles Davis oder John Coltrane?
Ich bitte Sie! Miles und Trane! Nennen Sie mir einen Grund, warum man sich entscheiden sollte?
Was kann die Politik vom Jazz lernen?
Jazz, in der modernen Tradition, hört allen Stilen und musikalischen Ansätzen aufmerksam zu, er bewahrt einen aufrichtigen und beständigen Respekt vor seinem eigenen Erbe und bleibt über seine Grenzen hinaus neugierig und offen.
Kann Schönheit die Welt retten?
Zu lernen, Schönheit zu schätzen, ist eine Sache. Aber zu lernen, wahre, authentische Schönheit in unserer Welt zu erkennen und sie so sehr zu schätzen, dass wir verstehen, dass diese Ebene der Schönheit unterstützt und geteilt werden sollte, ist meiner Meinung nach das, was uns als Menschen ausmacht. Ich glaube, diese Erkenntnis ist Teil dessen, was die vedische Tradition „Samsara“ nennt, den Kreislauf des Lebens (und der Leben), der nach Selbstverbesserung und kollektiver Erhebung strebt. Schönheit – zusammen mit Wahrheit, Gerechtigkeit und höchster Liebe, wie John Coltrane es nannte – sind die Leitprinzipien, die uns auf diesem Weg vorantreiben, die uns helfen, unseren Weg aus der Dunkelheit und dem Chaos zu finden – man muss sich nur die heutigen Schlagzeilen ansehen – und die uns mit Hoffnung und einem Plan stärken. Das ist unsere Aufgabe: Schönheit zu erkennen und sie auch zu schaffen. Vor allem aber: sie zu erkennen, zu schätzen und zu schützen.

Datum: 22. Oktober 2026




